Lieber Herr Roloff, was hat Sie dazu bewogen, sich speziell nach Waldshut zu bewerben?
An dieser Kantorenstelle fand ich die enorm vielfältigen Aufgaben und Möglichkeiten reizvoll; besonders in der Gesamtheit der Arbeit mit den Chören der Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, mit der wundervollen Orgel und einer in der Kirchengemeinde wie auch in der öffentlichen Wahrnehmung fest etablierten Kirchenmusik.
Haben Sie Ihre neue Arbeit gut begonnen?
Absolut. Ich bin überaus herzlich in Waldshut und im Bezirk willkommen geheißen worden. Dafür bedanke ich mich auch an dieser Stelle sehr. Mein Einstieg wurde besonders durch die unglaublichen Bemühungen meines Vorgängers Matthias Flierl erleichtert, der in so vieler Hinsicht fantastische Vorarbeit geleistet hat. Nun freue ich mich sehr auf die kommenden Aufgaben und Herausforderungen und bin sehr gespannt auf die Zukunft!
Sie sind ja in einer Pfarrfamilie aufgewachsen - welche Rolle spielte die Musik in Ihrem Elternhaus?
In meiner Kindheit in Offenburg spielte die Musik schon immer eine sehr große Rolle. Mein Vater ist leidenschaftlicher Laien-Cellist und großer Sänger, es wurde bei uns zuhause immer viel gesungen und Musik gemacht. Dadurch habe ich schon sehr früh meine Leidenschaft fürs Singen entdeckt. Besonders mit meinem Vater habe ich viel Kammermusik gemacht; mit Cello oder Saxofon und Klavier, oder mit zwei Trompeten.
Wann haben Sie den Entschluss gefasst, gerade Kirchenmusiker zu werden?
Das war weniger eine aktive Entscheidung als die logische Konsequenz meiner musikalischen Kindheit und Jugend mit Klavier- und Trompetenunterricht und im Kinder- und Jugendchor. Nach der D-Prüfung in Orgel und Chorleitung bin ich schließlich immer weiter in das Berufsfeld des Kirchenmusikers hineingerutscht und habe darin meine Stärken entdeckt. Nach meinem Abitur habe ich einige Monate lang bei der „Iona Community“ auf der gleichnamigen schottischen Insel einen Freiwilligendienst geleistet und dort als Assistent des ansässigen Kirchenmusikers gearbeitet. Danach habe ich mich endgültig dafür entschieden, mich beruflich der Kirchenmusik zu widmen und das Studium in Heidelberg begonnen.
Haben Sie einen Lieblingskomponisten und was schätzen Sie an ihm ganz besonders?
Das ist eine schwierige Frage, weil es so viel herrliche Musik gibt. Ich falle jedoch immer wieder zu Bach als dem großen Meister zurück, dem Wegbereiter für unzählige Generationen von Musikerinnen und Musikern. Ich bin sehr fasziniert von der Genialität seiner musikalischen Architektur, der tiefen Emotionalität und Bedeutung seiner Musik für die weitere Musikgeschichte!
Sind Sie mit Familie hierher gezogen?
Ich bin mit meiner Partnerin zusammen in die Region gezogen und wir haben in Dogern ein Zuhause gefunden.
Sie besitzen anstelle eines PKW ein Mountainbike. Werden Sie damit Ihre Dienstellen im Bezirk anfahren?
Für die Termine im Rheintal kann ich mir das gut vorstellen, für Orte, die nicht mehr ganz flach erreichbar sind, werde ich mir wohl ein Carsharing-Auto mieten, vor dem Büro und vor dem neuen Zuhause sind wir da sehr gut angebunden. Das Fahrrad nutze ich dann lieber zu privaten Zwecken.
Welche Schwerpunkte sehen Sie hauptsächlich für Ihre hiesige Tätigkeit?
Die Arbeit mit den Chören ist mir besonders wichtig. Meine größte Motivation, neben der Musik, sehe ich dabei zum einen im Zusammenbringen von Menschen unterschiedlichen Alters, verschiedener Herkunft und Hintergründe, die sich beim gemeinsamen Singen zu einem Klangkörper vereinen. Gerade auch den Kindern geben wir dadurch im wahrsten Sinn des Wortes eine Stimme. Deshalb ist es für mich urdemokratische Arbeit – auch wenn Chormusik häufig als diktatorisch wahrgenommen wird, weil der Chorleiter eben zeigt, wo es lang geht. Zum anderen ist es natürlich die Auseinandersetzung mit den Texten, mit den Botschaften, die wir vermitteln wollen. Ich empfinde diese Arbeit u.a. deshalb als sehr sinnerfüllt.
Wie ordnen Sie die Musik im Gottesdienst ein?
Sie hat für mich einen sehr hohen Stellenwert, weil sie neben dem Wort ein weiteres Mittel der Verkündigung ist und sie Menschen besonders auf der emotionalen Seite gut erreichen kann.
Das Interview führte Johanna Pick, Vorsitzende des Förderkreises für Kirchenmusik Waldshut e. V..
Wir danken Noah Roloff für die offenen Einblicke und wünschen einen weiterhin guten Start!
Noah Roloff (*1999) studierte von 2018 bis 2023 auf Bachelor Evangelische Kirchenmusik in Heidelberg. Während seiner Zeit dort wirkte er unter anderem als Assistenzorganist an der Universitätskirche Heidelberg. Von März 2023 bis Februar 2026 absolvierte er sein Masterstudium im Fach Kirchenmusik an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Auch hier wirkte er im Sommersemester 2023 als Assistent von Universitätsorganist Daniel Beilschmidt. Von September 2024 bis Dezember 2025 übernahm er vertretungsweise die Aufgaben im Kantorat an der Paul-Gerhardt-Kirche in Leipzig-Connewitz. Am 1.4.2026 begann Noah Roloff seine Arbeit als Ev. Bezirkskantor im Kirchenbezirk Hochrhein.




