500-Jahre Gesangbuch

Veranstaltung im Frauenkreis

Der Frauenkreis lud zum Vortrag von Frau Barbara Lutz-Charef Bendaha zum Thema "500 Jahre Evangelisches Gesangbuch" alle Interessierten (auch Männer!) ein.
Selbst wenn heute weniger gesungen wird: Das evangelische Gesangbuch ist keine Sache für verstaubte Kirchenarchive. Vor 500 Jahren begann mit den ersten gedruckten Exemplaren seine einzigartige Geschichte. Darüber hinaus aber ist es ein Liederbuch, das die deutsche Sprache, Literatur und Musik über Jahrhunderte stark beeinflusst hat. Und dies immer noch tut.

Inge Braun begrüßte die Frauen aus dem Frauenkreis und die zusätzlich erschienenen Gäste. Sie erteilte dann das Wort an Frau Barbara Lutz-Charef Bendaha.
Frau Lutz betonte zu Beginn, dass schon lange, in geschichtlicher Zeit Lieder eine große Rolle spielten. In der Bibel sind die Psalmen überliefert, die gesungen wurden, zu denen auch Instrumente wie Harfe, Flöte oder Zimbeln gespielt wurden. Aber damals gab es noch keine Drucktechnik, auch keine gedruckten Gesangbücher.
Zur Zeit Martin Luthers gab es den Buchdruck, und er nahm durch den Druck von Bibeln großen Aufschwung. 
Vor 500 Jahren erschien das erste gedruckte Gesangbuch mit acht Liedern, aus heutiger Sicht eher ein Liedblatt. Es war erfolgreich und noch im selben Jahr erschien ein umfangreicheres, gebundenes Liederbuch und noch ein zweites.
Zwischen den Informationen wurde mit Begleitung von Ursula Bauer am Flügel gesungen, einige Lieder, die die Informationen unterstrichen.
Luther war sehr musikalisch, sang gern und dichtete zahlreiche Lieder. "Ein feste Burg ist unser Gott" z. B. stammt von ihm. Als Vorbild dienten ihm öfter Psalmen aus der Bibel. Melodien stammten oft von bekannten, volkstümlichen Liedern, so dass seine neuen Lieder schnell gelernt werden konnten. Mit seinen Liedern wollte er überwiegend das Evangelium verkündigen, also predigen.
Vor der Zeit Martin Luthers wurde in Gottesdiensten auch gesungen, vom Chor und vom Priester, weniger von der Gemeinde. Der Einsatz von Luther für das von der Gemeinde gesungene Lied bedeutete in gewisser Weise eine Revolution.
Frau Lutz ging auch auf Paul Gerhard ein, ein überaus produktiver Liederdichter aus der Zeit des 30-jährigen Krieges. Über 140 Lieder sind von ihm überliefert. In Zeiten von Not und brutalem Krieg schrieb er viele Lieder, die sehr emotional trösten und auf das Schöne in der Welt hinwiesen. Trost und Sicherheit bei Gott finden, ihn und seine Werke loben, dazu forderten seine Lieder auf.
Im 19. Jahrhundert wurde es üblich, dass man ein eigenes Gesangbuch hatte, das man auch mit zum Gottesdienst brachte. Viel hat sich seitdem verändert. Inzwischen werden bei uns in den meisten Gottesdiensten die Liedtexte an die Wand projiziert, sodass man gar kein Gesangbuch benötigt.
Nach einem kleinen Erfahrungsaustausch gab es Kaffee und Kuchen (sehr lecker) und Gelegenheit für einen kleinen Plausch.